Ist Alkohol über den Wolken außergewöhnlich oder nicht?

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Ist Alkohol über den Wolken außergewöhnlich oder nicht? Foto: dpp

Gibt es in einem Flugzeug handfesten Streit zwischen betrunkenen Passagieren, und entscheidet der Pilot, wegen dieser Luftnotlage zum Abflughafen zurück zu fliegen, so können andere Passagiere, die dadurch einen Anschlussflug verpassen (hier sollte es weiter in die Karibik gehen), keinen Schadenersatz nach der EU-Fluggastrechteverordnung verlangen (hier wären das 2 mal 600 € für die um mehr als 7 Stunden verspätete Ankunft eines Ehepaares in der Dominikanischen Republik gewesen). Das hat eine Richterin am Amtsgericht Düsseldorf entschieden. Dass Alkohol an Bord ausgeschenkt werde, sei üblich und der Gesellschaft nicht zum Vorwurf zu machen. Es habe sich um außergewöhnliche Umstände gehandelt. (AmG Köln, 20 C 12957/14) - Das Pikante: Eine andere Richterin desselben Gerichts hat in demselben Fall gegenteilig entschieden. Sie hat das Alkohol-Argument im Rahmen der Klage eines anderen Paares zugelassen und 1.200 Euro Entschädigung zugesprochen - zumal die pöbelnden und später randalierenden Fluggäste bereits beim Einstieg alkoholisiert gewesen seien und dort hätten aussortiert werden müssen. Eine Airline, die an Bord Alkohol ausschenke, nehme aggressives Verhalten ihrer Passagiere billigend in Kauf und könne sich nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen, so das Gericht. (AZ: 235 C 12954/14) Das Landgericht Düsseldorf entscheidet endgültig. (AZ: 22 S 97/15) (Wolfgang Büser/dpp)