Tokyo 2015: Nissan Teatro for Dayz

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Ein Auto als Leinwand der persönlichen Kreativität- Nissan Teatro for Dayz. Foto: dpp-AutoReporter/ZbigniewMazar

Auf der Tokyo Motorshow präsentiert Nissan mit dem Teatro for Dayz ein überraschendes Konzeptfahrzeug. Es ist das erste Auto, das speziell auf die Generation der „digital natives" zugeschnitten wurde. Junge Menschen, die mit digitalen Technologien und Geräten aufgewachsen sind und ganz andere Erwartungen an ein modernes Auto stellen als frühere Generationen. Das Teatro for Dayz Konzept stellt Konventionen in Frage und setzt sich über Grenzen hinweg.

Die neue Generation, die das Smartphone höchstens zum duschen aus der Hand legt, erreicht in absehbarer Zeit das fahrtüchtige Alter. Während ältere Generationen Informationen noch über traditionelle Medien wie Fernsehen oder Zeitungen aufnehmen, ist die Hauptinformationsquelle für heutige Generationen das Internet. Diese teilen sie mit Hilfe ihrer digitalen Geräte - genauso wie alles, was sie erleben und erfahren. Nissan nennt sie deshalb die „share natives".

Eine der wichtigsten Fragen lautet nun: wollen diese Heranwachsenden überhaupt noch Auto fahren? Und welches Fahrzeug eignet sich am besten? „Um ein Auto für diese neue Generation von Käufern zu entwerfen, die wir ‚share natives‘ nennen, haben wir bewusst alles ausgeblendet, was wir über konventionelle Automobile und Technologien wissen", sagt Executive Design Director Satoshi Tai. „Ein Beispiel: Normalerweise versuchen wir, mit dem Autodesign Beschleunigung, Leistung oder Qualität zum Ausdruck zu bringen. Aber die ‚share natives‘ lassen sich von solchen Werten nicht beeindrucken. Wenn überhaupt, wirken sie auf sie eher altmodisch und haben mit ihrem normalen Leben nichts zu tun." Product Planning General Manager Hidemi Sasaki ergänzt: „Share natives finden, dass man die Zeit in einem Auto damit verbringen sollte, sich mit Freunden zu vernetzen und seine Erlebnisse zu teilen."

Das Nissan Konzeptfahrzeug Teatro for Dayz kommt dem Wunsch nach ständiger Vernetzung entgegen. Das Fahrzeug, dessen Name sich aus dem italienischen Wort für Theater und einem in Japan angebotenen Minicar zusammensetzt, dient dabei als eine Art riesige Leinwand: Es bietet den Passagieren die Möglichkeit, ihre eigene Erfahrungen zu kreieren und zu teilen. Das ganze Auto wird so zur Plattform für Inspirationen.

Bei einem Blick in den Innenraum erklärt sich die Leinwand-Idee praktische von selbst. Weiße Sitze, ein Lenkrad und zwei Pedale - mehr nicht! Das ist im Konzept „Future Canvas" genauso beabsichtigt. Sitze, Kopfstützen, Innenseiten der Türen und Armaturentafel werden dank moderner Display-Technologien zu beweglichen Bildschirmen und können nach Lust und Laune gestaltet werden.

Die in normalen Autos üblichen Knöpfe und Schalter fehlen - sie würden bloß die Flexibilität einschränken. Bei Klimaanlage und Audiosystem setzt Nissan daher auf Sprachsteuerung und Bewegungssensoren. Unterwegs werden Instrumente und Navigationshinweise auf der Armaturentafel angezeigt, im Stand verschwinden sie. Auch die Sitze - mit ihrer an Gymnastikbälle erinnernden Sitzfläche - fühlen sich vollkommen anders an als in einem normalen Auto.

Das Außendesign weist einige markentypische Details - etwa den V-förmigen Grill und die Scheinwerfer - auf, verzichtet aber auf konventionelle Elemente, die normalerweise Geschwindigkeit, Größe oder Eleganz zum Ausdruck bringen. „Was dieses Auto darstellen soll, ist einzig und allein Sache des Besitzers", erläutert Tai. „Wenn wir eine bestimmte Design-Richtung eingeschlagen hätten, würde das nur die Kreativität des Kunden einschränken."

Die Antwort auf die Frage ob der Teatro for Dayz nun Auto oder Kommunikationsmittel ist, müssen die Insassen letztendlich für sich selsbt entscheiden. Nissan bringt mit dem Konzeptfahrzeug jedenfalls eine neue Konversation darüber in Gang, welche Funktion Autos in Zukunft übernehmen sollen. (dpp-AutoReporter/sgr)